Was ist Glück?

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Darauf kann es keine allgemein gültige Antwort geben.

(Vielleicht finden wir ja erste Hinweise am Glücklich-erleben-Abend?)

Klar existiert eine ganze Reihe von Forschungen, die untersuchen, was Menschen unter Glück verstehen oder wann sie wie wo glücklich sind. Doch wie bei jeder Forschung: Ob das jetzt genau so auf mich zutrifft oder auf Ihren Nachbarn, oder auf Sie, das weiß kein Mensch.

Ich allerdings weiß (mittlerweile), was Glück persönlich für mich bedeutet. Da kommt das Glück in recht verschiedenen Formen daher.
Ein sehr subjektiver Überblick. Weiterlesen →

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Am 30.09.2014 ist es soweit:
Der erste Glücklich-Erleben-Abend in Bremen!

Geschrieben von:

Wann: Dienstag, 30.09.2014, 19:00 Uhr
Wo: Café-Bistro Feliz, Neukircherstr. 44, 28215 Bremen

Das ist in Bremen Findorff, gleich hinter dem Marktplatz.

Der Abend

Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, denn…

An diesem Abend entdecken wir das Glück!

Mit
✽ Vorträgen und allerlei inspirierenden Impulsen zum kleinen und großen Glück
✽ interaktiven Übungen fürs Glücklichsein und Glücklichwerden Weiterlesen →

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Warum ich meiner Schreibblockade dankbar bin

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Foto: “A crumpled paper ball“, Copyright Turinboy, Lizenz Creative Commons via Flickr

Umwege erweitern die Ortskenntnis. Und nicht alles, was sich schlecht anfühlt, muss auch schlecht sein.

Vor mehr als 4 Jahren beschloss ich, es mit dem Schreiben zu probieren. Geträumt hatte ich schon lange davon, aber jetzt war es Zeit, damit auch anzufangen. Dachte ich.

Also bewarb ich mich bei einem Wissenschaftsblog. Und wurde genommen.

Ich schrieb ein paar Artikel. Von der sogenannten Wissenschaftsgemeinde bekam ich dafür öfter eins auf den Hut, aber der Lektor eines kleinen Verlages wurde aufmerksam.

Er fragte mich, ob ich nicht ein Buchprojekt mit ihm machen wollte. Weiterlesen →

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Wevent und wie weiter? Ein Wochenende mit intrinsify!me

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Worum es geht

Ich fahre nach Berlin! Das Wevent (englisch ausgesprochen, etwa wiewent) von intrinsify.me steht vor der Tür.

Eine Open-Space-Konferenz zum Wandel in der Arbeitswelt, vom 07.-09.12.2012.

Die Grundthese

Menschen brauchen nicht motiviert zu werden, sie sind es schon. Sie wollen arbeiten, sie wollen sich einbringen und sie wollen das selbstbestimmt tun.

Nur blöd, dass viele klassische Unternehmensstrategien genau das verhindern. Also gehts darum, Hindernisse für wirklich gute Arbeit aus dem Weg zu räumen und eine Arbeitskultur zu schaffen, in der selbstmotiviertes Arbeiten möglich ist. Wovon wiederum Menschen UND Unternehmen profitieren.

Die Leute

Genau das machen intrinsify!me und das wollen sie nicht alleine tun. Sondern am besten mit Menschen, die ähnliche Ziele verfolgen. Deshalb organisieren sie das Wevent.

Prima finde ich diesen Ansatz, geht es doch um Arbeit, die Sinn stiftet, um die Kompetenzen, die Menschen einbringen dürfen, um die Freude am eigenen Tun. Und um den wirtschaftlichen Erfolg, der genau daraus entsteht.

Der Auftakt

Am Freitagabend gibt es ein erstes Kennenlernen mit gemeinsamem Abendessen. Keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Ich sitze mit lauter fremden Menschen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern an einem Tisch. Es wird auf Anhieb spaßig. Ungewöhnlich für eine Gruppe, in der sich niemand kennt. Gutes Zeichen, finde ich.

Am Ende habe ich (unter Anderem!) eine Menge Kontakte geknüpft, neue Initiativen und Methoden kennengelernt, ein paar Insidertipps zum Thema Einkaufen erfahren und darüber gefachsimpelt, welche Methode denn nun die beste ist, um heißen Kakao zu trinken. (Wenn man mich fragt: Löffeln!)

Der erste Tag

Samstagmorgen gehts dann los, in den Räumen von hpp berlin. Intrinsifier nennen das die Leute von intrinsify.me: Unternehmen, die das umsetzen, wovon andere reden.

Die ihren Mitarbeitern selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen, in einer Umgebung, die Motivation und Kompetenz födert und nicht bremst. Und die damit wirtschaftlich erfolgreich sind.

Am Anfang brauchts ein Thema

Oder besser gesagt, ganz viele. Deswegen startet der Tag mit der Themenfindung.

Ein Open-Space ist eine Art selbstorganisierter Konferenz. Der grobe zeitliche Rahmen steht, die Inhalte entstehen durch die Teilnehmenden.

Wer Lust hat, etwas zu machen, stellt es vor. Wer das spannend findet, geht hin. Wenns dort nicht gefällt, geht man wieder raus. So einfach geht das.

Ich bin zunächst etwas überwältigt von der Fülle der Themen. Egal wofür ich mich entscheide, ich verpasse den größten Teil. Blöd irgendwie.

Einen bunten Strauß gibt es da: Es geht um Startup-Kultur, die Darstellung von Modell-Unternehmen, Führungskräfte als Lernbegleiter, neue Methoden zur Ideenfindung in Unternehmen und und und und und.

Die Session sind bunt gemischt: von der lockeren Gesprächsrunde über das gemeinsame Ideeensprudeln bis hin zum Beinahe-Vortrag ist alles dabei.

Fazit des ersten Tages: Tolle Anregungen aus den unterschiedlichsten Ecken, spannende Leute mit spannenden Konzepten und wahnsinnig viel gelernt.

Ich bin platt und freue ich mich aufs Abendessen.

Der zweite Tag

Am Sonntag gehts dann weiter, diesmal starten wir – eines spaßigen Samstagabends wegen – eine Stunde später. Wieder Themenfindung. Wieder ganz viel, wo ich gern dabei wäre.

Dieses Mal will ich nicht überfordert sein, also entscheide ich spontan. Nicht lange überlegen, einfach gehen.

Mit dem Bewusstsein, dass das, was ich mir aussuche, schon genau das Richtige für mich sein wird.

Diese Haltung entspannt ungemein.

Das erste Thema klingt spannend, ist dann aber doch nicht so richtig mein Fall. Also gehe ich wieder raus, das ist völlig in Ordnung. Nach diversen Jahren Zwangsverpflichtung in öffentlichen Bildungsanstalten eine neue Erfahrung und sehr erholsam. Auf dem Flur treffe ich ein paar Leute, denen es ähnlich geht. Wir machen unsere eigene spontane Mini-Session. Genau richtig.

Für mich: Das Beste zum Schluss

Die nächste Session entpuppt sich als mein persönliches Highlight an diesem Wochenende. Es geht um Veränderungsprozesse und welche Rolle Emotionen dabei spielen, die “guten” wie die ”schlechten”.

Was diese Session so großartig macht:

Eine unglaublich charmante Moderatorin, die es schafft, die perfekte Balance zu finden zwischen Struktur und Freiraum. Danke, Anke!)

Menschen , denen das Thema wirklich, wirklich am Herzen liegt.

Ein Prozess voller Inspiration und Aha.

Am Ende das wunderbare Gefühl, gemeinsam gerade etwas sehr Wertvolles erlebt zu haben. Als hätten wir uns auf einer ganz persönlichen, tieferen Ebene noch einmal kennengelernt.

Klingt komisch, ist aber so. Und, wie ich finde, sehr, sehr schön.

Spaßiges Spielen zum Schluss

Mein Hirn ist nun ganz schön voll, deshalb zum Abschluss bitte etwas Praktisches. Also entscheide ich mich für eine Spiele-Session.

Es geht um zwei Spiele aus dem Improvisationstheater, die sich wunderbar für Workshops nutzen lassen.

Also bauen wir Stühle hin und her, unterhalten uns via ZippZappZoom und lachen eine Menge. Erstaunlich, wie viel so kleine Übungen anstoßen und was sich dabei in der Gruppe alles wahrnehmen, ableiten, lernen lässt.

Wir staunen alle. Ich bin sehr begeistert!

Mein Fazit

Ein tolles Wochenende mit einer Menge Input, neuen Menschen und Ideen.

Großartige Menschen, die andere Menschen im Blick haben und etwas bewegen wollen. Die sich für das begeistern, was sie tun. Und gerne begeistert werden von dem, was andere tun.

Mark Poppenborg und Lars Vollmer von intrinsify!me nehme ich ab, dass sie sagen, was sie denken. Und tun, was sie sagen.

Ein mutiges Unterfangen mit einer Feedback-Kultur, die Menschen ernst nimmt. Die neues Leben und Arbeiten ermöglicht. Und spannende Konzepte, die Menschen und Unternehmen wachsen lassen.

Davon möchte ich gerne mehr erfahren. In allen Bedeutungen des Wortes.

PS: Hier gehts zum nächsten Wevent (und nein, ich bekomme keine Provision.)

PPS: Für alle, die genauer erfahren wollen, worum es intrinsify!me unter Anderem geht, sei  nicht nur die Webseite, sondern auch die Geschichte vom orangen Schaf wärmstens empfohlen.

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Über die Entscheidung, mich nicht zu ärgern

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Zwischen zwei Terminen.

Den einen habe ich gerade hinter mir, zum anderen mach ich mich nun auf den Weg. Gedanken schwirren in meinem Kopf – ein Kommentar mit Fragezeichen will unbedingt noch hin und hergedacht werden.

Ich bin zu Fuß unterwegs. Blöde Entscheidung. Es regnet Hunde und Katzen. Kombiniert mit nordisch-windig, der Schirm bringt genau gar nichts.

Super Voraussetzungen für einen abendlichen Kundentermin.

Grimmig stapfe ich durch den Regen. Ich merke, wie der Ärger in mir hochkocht – die Gedanken springen immer schneller.

Einige hundert Meter später merke ich, wie mir dieses Karrussel zunehmend auf die Nerven geht. Der Termin gleich ist mir wirklich wichtig. Wenn ich da so auftauche, wird das nichts mit der guten Arbeit.

Was tun?

Ich bleibe stehen und konzentriere mich bewusst einen Moment auf das, was ich gerade sehe. Plötzlich fällt mir auf, dass der Regen aufgehört hat. Nicht nur das: Die Straße ist in faszinierendes Licht getaucht, eine Mischung aus dicken Regenwolken, Sonnenuntergang und künstlichem Licht.

Ich staune: So etwas habe ich in Bremen noch nicht gesehen.

Wäre ich nicht stehengeblieben, hätte ich das vor lauter Grummeln glatt verpasst.

Ich genieße für  einen wunderbaren Moment diese wunderbare Stimmung…

 

- und erinnere mich daran, dass Ärger ganz allein meine Entscheidung ist.

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Glück oder Unglück? Eine Sufi-Geschichte

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Ein Bauer lebte mit seinem Sohn in einem abgeschiedenen Dorf. Seine Kräfte ließen nach, und er galt als ein armer Mann und hatte nicht viel zu beißen. Sein Sohn war seine einzige Hilfe Tag und Nacht, und auf ihn konnte er sich verlassen.

Eines Tages ging er in den Wald, um Beeren zu sammeln, und als er zurückkehrte, brachte er ein Wildpferd mit, welches er eingefangen hatte.

“Oh, welch ein Glück”, riefen seine Nachbarn aus. Nun konnte er das Pferd zähmen und vor den Pflug spannen, Getreide anbauen, und er würde Brot haben in Hülle und Fülle. Der Bauer aber schüttelte den Kopf: “Ob das ein Glück ist, weiss ich nicht. Die Zeit wird es zeigen.”

Am nächsten Tag sprach der Sohn: “Vater, ich bin stark und kräftig, lass mich das Pferd einreiten, damit es uns zu guten Diensten sein kann.” Der Sohn stieg in die Koppel und schwang sich auf das Pferd. Doch dieses bäumte sich auf und warf ihn ab. Der Sohn schrie laut auf; er hatte sich beim Fall ein Bein gebrochen. Das Pferd jedoch war fort.

“Oh, welch ein Unglück”, riefen seine Nachbarn aus. Nun hatte der Bauer sein Pferd verloren, und sein Sohn musste im Hause liegen, bis er wieder gesund sein würde. Der Bauer aber schüttelte wiederum den Kopf: “Ob das ein Unglück ist, weiss ich nicht. Die Zeit wird es zeigen.”

Am nächsten Tag kamen Soldaten des Grafen ins abgeschiedene Dorf, und der Ausrufer verkündete: “Der Graf führt Krieg gegen den König, und er hat bestimmt, dass alle rüstigen Männer eingezogen werden, um gegen den König mit seiner Übermacht zu Felde zu ziehen!”

“Oh, welch ein Glück”, dachte der Bauer und schloss seinen Sohn fest in die Arme.

Glück oder Unglück?

Die Zeit wird es zeigen.

Quelle unbekannt. Diese Variante habe ich hier gefunden und leicht abgeändert..

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Wann Brainstorming genau das Falsche sein kann

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Das Schöne an Geistesblitzen ist, dass sie in den seltsamsten oder auch alltäglichsten Situationen auftauchen. Zum Beispiel beim Zähneputzen. Dabei ist mir gerade etwas aufgefallen.

Wie es sein sollte…

So eine Selbständigkeit ist mit allerlei Aufgaben verbunden, die jetzt nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen gehören: Finanzen, Steuern, Marketing etc. Wenn ich mir überlege, was ich in diesen ganzen Bereichen noch zu tun habe, dann läuft das theoretisch so ab:

1. Ich mache ein kurzes Brainstorming und sammele (angebliche) Notwendigkeiten und zusätzliche Möglichkeiten.
2. Dann sortiere ich das Ganze nach sinnvollen Kategorien und erfasse die Kategorien in meinem Aufgabensystem.
3. Von dort arbeite ich alles systematisch ab.

Soweit die Theorie.

…und wie es dann tatsächlich ist

Die Praxis sieht bedauerlicherweise meist anders aus:

1. Ich mache ein kurzes Brainstorming. Weil das Ausdenken von Dingen eine Menge Spaß macht, denke ich mir auch eine Menge Dinge aus. Je nach Tagesform zeichne ich noch ein paar hübsche Dinge dazu, natürlich wichtig für die Anschaulichkeit.
2. Ich sortiere das Ganze nach sinnvollen Kategorien. Weil auch das sehr viel Spaß macht, verbringe ich sehr viel Zeit damit, es wirklich GUT zu sortieren, schließlich möchte ich ja Klarheit gewinnen. Das Kunstwerk wandert dann in die Aufgabensammlung.
3. Da ich durchaus auch noch andere Anliegen habe und die ebensoviel Sollte-ich-tun und Könnte-ich-tun und Das-wär-auch-toll produzieren, landen da ganz schnell sehr viele Aufgaben. Irgendwann stellt sich dann ein deutliches Gefühl der Überforderung ein: Pffff, was ich alles machen muss! (Ja, so ein Muss schleicht sich dort auch ein.)
4. Fazit: Ich fühl mich schlecht und mache nichts. Natürlich mache ich etwas, aber es fühlt sich an wie nichts. Weil noch so viele andere Dinge erledigt werden wollen.

Der Geistesblitz beim Zähneputzen

Nun ist mir gerade beim Zähneputzen der Gedanken gekommen, dass dieses Brainstorming sicher für viele Gelegenheiten eine prima Sache ist. Zum Beispiel, wenn ich feststecke und aus dieser Sackgasse wieder herauskommen möchte. Dann kann so ein Brainstorming die Sicht wieder deutlich erweitern, indem ich schnell viele Ideen produziere. Allerdings gibt es hier den schönen Vorteil, dass die meisten Ergebnisse niemals umgesetzt werden. Am Ende bleiben ein paar gute Dinge übrig, die ich dann auch angehe.

Schwierig wird es nur dann, wenn Brainstorming Tendenzen verstärkt, die sowieso schon sehr ausgeprägt vorhanden sind. Und ich denke, das ist bei meinem Gehirn in bestimmten Fällen der Fall.

Noch mehr Chaos für das Chaos-Hirn

Es gibt Menschen, die können das. Ein paar Ideen sammeln, Plan machen, geradeaus denken und umsetzen. Mein Gehirn ist kein Geradeausdenker. Es ist vielmehr ein Chaos-Hirn, was zwar den schönen Vorteil hat, dass mir SEHR SCHNELL SEHR VIELE Dinge einfallen. Natürlich hängen die auch alle noch irgendwie miteinander zusammenhängen und ergänzen sich, wenn ich noch dies und das und jenes bedenke und dann noch jenes hinzuziehe unter der Berücksichtigung von solchem… Sehen Sie, was ich meine?
Was in gefühlten Sackgassen großartig ist, wird hier zu einem echten Stressfaktor: Das, was mir da alles einfällt, kann ich niemals tun – schon gar nicht jetzt sofort und gleichzeitig. Mit dem Brainstorming sammel ich so viele “Das sollte ich auch noch tun”-Punkte, dass ich nachher von dem, was ich alles tun “muss”, völlig überwältigt bin.

Nicht nur Ärger kann man selber machen, beim Leiden geht das auch ganz gut.

Was hilft?

Den Impuls des “Ich muss das erst sammeln und arbeite es nachher ab” zu unterdrücken, auch wenns schwer fällt: Nein,  ich sammel jetzt nicht alle möglichen und unmöglichen Punkte zum Thema. Nein, nein, nein.

Und dann ist ist interessanterweise plötzlich alles gut. Dann finde ich ganz ohne Probleme einen Schritt, den ich angehen und umsetzen kann. Und wenn der fertig ist, kommt der nächste. Dann wird “Immer schön der Reihe nach” auch für mein Chaos-Hirn machbar und es nicht mal schwierig.

Also werde ich in Zukunft die Augen offenhalten, wann ich den Impuls spüre, Dinge gerade zu sammeln und zu ordnen. Wenn dann die leiseste Ahnung besteht, dass so ein Brainstorming zu einer Flut von Aufgaben und damit heillose Überforderung führen könnte, seufze ich einmal tief und lasse die Finger davon.

Da frage ich mich lieber: Womit fange ich heute an?

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Beginners Mind – Mit neugierigen Augen durch die Welt

Geschrieben von:

“In the beginner’s mind there are a lot of possibilities,
but in the expert’s mind there are few.”

Shunryu Suzuki, japanischer Zen-Meister

Als ich neulich auf dem Weg zu meiner Ausbildung als 3D-Pädragogin war, gabs für mich einen hübschen Zwischenstopp in St. Gallen.

Ich mag diesen Moment, wenn ich zum ersten Mal in eine fremde Stadt komme. Ich merke förmlich, wie sich meine Wahrnehmung schlagartig verändert: Sie wird aufmerksamer, intensiver, klarer. Meine Sinne sind hellwach, ich nehme kleinste Veränderungen wahr.

Es ist eine schöne Form von neugieriger Aufregung, innerlich freudig und friedlich zugleich.

Das Schöne dabei: Mein sonst oft doch hibbeliges Hirn ist so beschäftigt mit Schauen und Staunen, dass gar kein Platz für andere Gedanken bleibt.

Die Krux mit der Gewöhnung

Ganz von allein ist dieser Zustand leider nicht von Dauer. Irgendwann schleicht sich unbemerkt Gewohnheit ein.

Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass ich in Bremen anfangs auch so staunend durch die Gegend gelaufen bin. Die Stadt zieht jedes Jahr Scharen von Touristen an, die das ebenfalls tun.

Doch wenn ich nicht aufpasse, rauschen all die hübschen Dinge unbemerkt an mir vorbei. Schlimmer noch, dafür fallen mir mehr und mehr die Scheußlichkeiten auf, von denen es in Bremen auch eine ganze Menge gibt.

Was den Unterschied ausmacht

In Sankt Gallen laufe ich mit weit geöffneten Augen durch die Stadt und sauge alle Eindrücke auf, die ich bekommen kann. In Bremen rausche ich durch Straßen und denke an den nächsten Einkauf (oder was sonst mein Hirn gerade beschäftigt).

Warum?

Der einzige Unterschied zwischen Bremen und Sankt Gallen besteht darin, dass ich meine, Bremen zu kennen. Da sagt mein Gehirn: Kenne ich schon, brauche ich nicht mehr hinzuschauen.

Das ist natürlich Blödsinn: Wenn ich mir doch die Mühe des genauen Hinsehens mache, dann entdecke ich immer wieder Dinge, die mich wirklich entzücken. Dinge, an denen ich die letzten 12 Jahre achtlos vorbeigelaufen bin. Neue Dinge.

Und dann wird mir mit einem Mal blitzklar:

Kennen ist eine Illusion

Irgendwie ist es vermessen zu behaupten, ich würde Bremen kennen. Vielleicht kenne ich ein paar Ausschnitte, doch selbst da ist das eher Grobschnitt; die hübschen kleinen Dinge entgehen mir allzu oft. Und mal ganz ehrlich: Wie viel ist das, was ich meine zu kennen, tatsächlich von dieser doch recht großen Stadt?

Nicht nur, dass ich nicht mehr hinschaue. Ich lasse mich auch leiten von dem, was sich irgendwann in meinem Kopf eingenistet hat. Nicht von dem, was gerade um mich ist.

Nun wird es der Stadt recht einerlei sein, ob ich sie nun genauer anschaue oder weiter in meinen Gedankenblasen verweile.

Aber geht es mir in anderen Bereichen nicht ähnlich? Wenn ich mich mit Dingen beschäfte, in denen ich mich angeblich auskenne: Sehe ich da noch genauer hin?

Und was ist mit den Beziehungen, die ich mit den Menschen lebe, die ich doch so gut zu kenen meine? Sehe ich die Menschen noch? Wie viel, von dem, was ich von ihnen halte, sind wirklich sie? Und wie viel ist mein Bild von ihnen?

Ist es ihnen auch egal, wenn ich auf Autopilot schalte?

Wohl kaum.

Ist mir das egal?

Nein.

Zurück zum “Beginner’s Mind”

In manchen östlichen Philosophien gibt es die innere Haltung des “Beginner’s Mind”.

Es ist eine innere Haltung, die geprägt ist von Offenheit, Neugier und der wohltuenden Abwesenheit irgendwelcher Vorannahmen. Eine Haltung von Nicht-Wissen und Nicht-Kennen – eine gemeinsame Geschichte gibt es nicht.

(Ich habe lange überlegt, wie ich das treffend übersetzen kann. Auch wenn meist von Anfänger-Geist die Rede ist: Ich finde, das trifft es nicht wirklich. Habe aber bis jetzt noch keine Alternative, also bleibe ich vorerst dabei. Für Übersetzungsvorschläge bin ich dankbar!)

Das ist zunächst einmal nicht einfach, denn Gewohnheiten entwickeln einen mächtigen Sog. Doch wenn es klappt, wenn es wirklich gelingt, dann lassen sich plötzlich all die hübschen Dinge neu entdecken, die doch schon immer da waren.

Vor einigen Tagen stand ich vor dem Bremer Dom. Ich schaute die Fassade hinauf: Wie würde ich jetzt wohl gucken, wenn ich diesen Dom noch nie gesehen hätte? Was würde mir auffallen?

Dann guckte ich einfach mal so und entdeckte ich so einige schöne Dinge an diesem Dom: seltsame Figuren, kunstvoll verschörkelte Fenster und sogar dahinter eine kleine Gasse, die ich vorher noch nie gesehen hatte.

Das alt bekannte Bremen fühlte sich auf eine schöne und neugierige Art aufregend an, innerlich freudig und friedlich zugleich.

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Wie es mit dem Entrümpeln tatsächlich klappen kann

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Manchmal lösen kleine Dinge Großes aus.

In diesem Fall war es ein Gespräch am Küchentisch. Da saß vor einiger Zeit ein Bekannter und erzählte mir von seinem persönlichen Minimalismusprojekt: Er wollte sich von allem überflüssige Zeugs befreien – von nicht mehr gehörten Kassetten über löchrige Kleidung bis hin zu im Regal verstaubenden Büchern.

Auch wenn ich Menschen bewunderte, die solcherlei Dinge radikal umsetzten: Für mich selbst geschafft hatte ich das noch nicht.
Nun, meinte er, er auch nicht, aber jetzt hätte er ein Buch gelesen, was ihm in dieser Frage doch entscheidend weitergeholfen hätte: Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags von Karen Kingston.

Ich hatte keine Ahnung von Feng Shui. Mit dem inneren Schweinehund hatte ich es schon mal probiert – der Erfolg war mäßig und eher kurzfristiger Natur. Warum also nicht mal ausprobieren?

„Gerümpel ist blockierte Energie“

Feng Shui geht – soweit ich das bis jetzt verstanden habe – davon aus, das alles, was uns umgibt, unsere eigene Energie beeinflusst. Eigentlich ist das ziemlich klar, eine schöne Blumenwiese löst andere Dinge in mir aus als ein heruntergekommener Plattenbau.

Das gilt aber eben nicht nur für die großen Dinge, sondern ebenso für die vielen kleinen. Zum Beispiel das Zeugs in den eigenen vier Wänden. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, viele kleine Energieräuber werden schnell zu einem großen und erzeugen irgendwann das Gefühl von unbeherrschbarem Chaos und latentem Stress.

Das englische Wort für Gerümpel „clutter“ stammt laut Karen Kingston von dem Verb „to clotter“ ab, was so viel heißt wie „gerinnen“ oder „verklumpen“.
Und genau das macht Gerümpel: Es verklumpt die Energie im Raum.

Die möglichen Folgen: Menschen können sich nicht konzentrieren und auch nicht entspannen, werden unruhig, müde und kraftlos.

Seitdem ich das gelesen habe, sind Gerümpelhaufen im Haus für mich kleine schwarze Löcher, die beständig Energie saugen und sich allein dadurch stetig vermehren.

Was ist denn nun Gerümpel?

Im Prinzip alles, was nicht so ist, wie es sein soll und damit Aufmerksamkeit einfordert.

(Interessanterweise sind sich hier die recht alte Philosophie des Feng Shui und moderne Produktivitätsansätze wie GTD ziemlich einig.)

Weil diese Definition wenig konkret ist und im Alltag deshalb nicht wirklich weiterhilft, hier nun die Definition von Karen Kingston mit meinen Anmerkungen (in umgekehrter Reihenfolge):

1. „Alles Unfertige“

Ich konnte beinahe hören, wie all die angefangenen, nicht zu Ende gemachten Dinge in meiner Wohnung beständig vor sich hinriefen, ich möge sie doch bitte endlich erledigen. Was für ein unglaublicher Krach, gekoppelt mit sich einschleichenden Schuldgefühlen, zeitlichen Konflikten und anderen negativen Assoziationen. Nicht schön.

2. „Zu viele Dinge auf zu wenig Raum“

Ein Blick auf mein völlig überfülltes Bücherregal, mit mehrfach ausgefüllten Reihen und diversen übereinandergetürmten Stapeln, und mir war klar: Fließende Energie sieht anders aus. Dazu auch hier diverse Quellen von Schuldgefühlen, dieses Mal in Form noch zu lesender Zeitschriften und Büchern.

3. „Dinge, die unordentlich oder schlecht organisiert sind“

In meiner Ablagebox hortete ich verschiedene Unterlagen, die ich jetzt wirklich mal sortieren und abheften sollte. Mittlerweile war das Chaos allerdings so groß, dass ich mich gar nicht mehr daran traute. Jedes Mal, wenn mir die Box in die Finger kam, hatte ich das Gefühl, irgendetwas Bedrohliches anzufassen, gekoppelt mit dem nagenden Gefühl,endlich mal aufräumen zu müssen…

4. „Dinge, die man weder benutzt noch mag“

Geschenke, die irgendwie doch nicht toll waren. Klamotten, die einfach nicht mir oder auch zu meiner sich wandelnden Figur passen. Überschüssiges und längst in Kellern und Abstellräumen verstecktes Zeugs.Die Liste der Dinge, die ich irgendwie nicht leiden konnte, war ganz schön lang.

Da wurde mir schlagartig klar: Ich hatte mir schlichtweg immer die falschen Fragen gestellt.

Warum die Frage nach dem „Brauche ich das?“ bei mir nicht funktioniert

In vielen Ratgebern zum Thema wird mir geraten zu untersuchen, ob ich den betreffenden Gegenstand in den letzten 6 oder 12 Monaten gebraucht, also zum Beispiel benutzt habe. Alles, was seit einer gewissen Zeit unangefasst in den Schränken schlummert, soll demnach das Haus verlassen.
Das mag auf den ersten Blick sinnvoll scheinen, funktioniert aber nicht bei mir. Die Frage nach dem „Hab ich es gebraucht?“ löst nämlich in keinster Weise das Problem, ob ich es noch einmal brauchen könnte.

„Brauchen“ ist ein Kaugummibegriff, letztlich könnte ich irgendwann bestimmt irgendwie alles brauchen, wenn ich nur lange genug drüber nachdenke. (Ein Aspekt, warum Werbung so gut funktioniert.)

Vielleicht ist es die Angst, bestimmte Dinge einfach loszulassen. Oder es ist die diffuse Sorge, dass die Zukunft irgendwie schlecht wird und deshalb gehortet werden muss. Vielleicht auch das schlechte Gewissen, was unweigerlich auftaucht, wenn Tante Annas scheußliche Geschenke in den Blick kommen.

Wie auch immer: Ich bin davon überzeugt, dass es in erster Linie eine emotionale Frage ist – und die lässt sich nicht mit rationalen Zahlen lösen.

Königstigerfragen zum erfolgreichen Entrümpeln

Der Königstiger gilt soweit ich weiß als kraftvolles und mutiges Tier. Kein schlechter Namenspatron, wenn man sich der schwierigen und mitunter anstrengenden Aufgabe des Entrümpelns widmen will.

Mittlerweile habe ich für mich herausgefunden, wie ich es für mich leichter machen kann.

Die zentrale Frage für mich lautet: Was machen diese Dinge mit mir, wenn sie um mich sind?

Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass für mich tatsächlich nur drei Fragen reichen, um wirklich erfolgreich ins Entrümpeln zu kommen.

Die erste Frage ist vergleichsweise unkompliziert und emotional wenig belastet, daher gut zum „Warmmachen“

Hab ich dich doppelt?

Ich war baff erstaunt, wie viele Dinge tatsächlich unnötig mehrfach in meinem Haushalt vorhanden waren. Wer braucht schon drei Dosenöffner?
Dann die entscheidende und ultimativ wichtige Kernfrage:

Mag ich dich?

Wo ich mich vorher schwer getan hatte, war die Entscheidung plötzlich einfach: Brauchen hin oder her, ständig Dinge zu benutzen, die ich nicht mag, macht auf Dauer schlechte Laune. Schließlich ärgere ich mich jedes Mal ein klitzekleines (oder nicht so klitzekleines) Bisschen, wenn sie mir in die Hände kommen.

Dann noch die Abschlussfrage:

Tust du mir gut?

Auch wenn ich die schicke Jacke aus der wilden Studentenzeit wirklich gern hatte: Jedes Mal, wenn ich sie sah, dachte ich nur wieder daran, dass ich bedauerlicherweise nicht mehr hineinpasste. Es gibt wohl kaum ein besseres Mittel, um sich selbst herunterzuziehen.

Alles, was für diese drei Fragen ein klares Ja! bekommt, darf bleiben.
Alles, was diese Fragen nicht besteht, darf gerne weiterfließen und sich ein neues Zuhause suchen.

Und siehe da – plötzlich war es möglich: Zwei Wohnsitze und ein Büro wurden erfolgreich entrümpelt.

Wenn ich mich allerdings so umschaue: Es wird mal wieder Zeit… :-)

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Warum Entrümpeln besser klappt, wenn Dinge fließen können

Geschrieben von:

Menschen, die ich bewundere

Es gibt Menschen, die es sich zur Lebensaufgabe machen, sich von überflüssigem Zeug zu befreien.

Dann gibt es Menschen, die ihre persönlichen Dinge auf eine Anzahl von 100 beschränken wollen.

(Kleiner Einschub: Beide Autoren bieten eine Fülle an Inspirationen zum Thema, auch wenn ich nicht jeden einzelnen Gedanken folge.)

Schließlich gibt es Menschen, deren persönliches Hab und Gut tatsächlich in einen Rucksack passt.

Ich bewundere diese Menschen. Mit meinem Dinge-Sammel-Gen bin ich davon (momentan noch) weit entfernt. Entrümpeln fällt mir schwer.

Allerdings bin ich seit einiger Zeit dabei herauszufinden, was es mir leichter macht. Das fängt mit der Frage an, ob ich denn wirklich entrümpeln möchte.

Entrümpeln setzt die Existenz von Gerümpel voraus

Wenn ich meine Räume ent-rümpeln möchte, dann werden meine Sachen automatisch zu Ge-rümpel.

Die Qualität von Gerümpel in meinem Universum: “Doofes Zeug mit der Tendenz zum Müll”.

Ehrlich gesagt, das gefällt mir gar nicht. Es mag sein, dass sich vielleicht der eine oder andere wegzuschmeißende Gegenstand finden lässt. Aber vieles von dem, was ich entrümpeln möchte, mochte ich irgendwann einmal.  Oder ich mochte die Situation, in der es zu mir kam. Oder die dafür verantwortliche Person. Manchmal sogar alles zusammen.

Wenn diese Dinge jetzt zu Gerümpel werden, ist das nicht schön und weh tut es auch. Ich wehre mich dagegen, meine Bücher, die viele ganz wunderbare Stunden gebracht haben, als Müll zu sehen.

Vielleicht wehre ich mich deshalb auch gegen das Entrümpeln.

Mein Zeug ist, wenn es überhaupt Zeug sein soll, dann liebgewonnenes Zeug.

Was mache ich nun mit diesem liebgewonnenem Zeug?

Aussortieren.

Die etwas neutralere Fassung von entrümpeln. Nicht herzerwärmend.

Entlassen.

Nein, nein. Meine Bücher sind keine Strafgefangenen. Auch wenn es da um Freiheit gehen mag.

Loslassen.

Schon besser. Schließlich will ich mich ja von ihnen lösen. Was auch voraussetzt, dass ich von ihnen lassen kann.

Fließen lassen.

Ja. Unbedingt!

Meine Dinge sollen fließen!

Die Qualität des Fließens

Dinge, die fließen, bleiben bei mir, bis sie einen anderen Platz finden, an dem sie besser aufgehoben sind.

Sie haben Kraft. Dynamik. Sie sind flexibel, in Bewegung, können Andere bewegen. Sie bringen Erleichterung auf der einen Seite und Freude auf der anderen. Sie ermöglichen neue Begegnungen und schaffen Schönes.

Sie schaffen Raum.

Sie schaffen Leichtigkeit.

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Was machen die Dinge bei Ihnen?

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